Befassen wir uns aber nun kurz mit der Erft, die Morken und Harff in Längsrichtung durchflossen hat. Als sich vor längerer Zeit Sammler nach Trockenlegung des alten Erftbettes für all das interessierten, was Jahrhunderte durch die Erftfluten transportiert worden ist und dann in Sand und Schlamm liegenblieb, wurden sie belächelt. Man fragte: „wieso man im Schlamm erömwöhle un no Schirvele söke könne. Wer weiß, wat do all für ein Biesterei dren es."

Tatsächlich fand man anfänglich Erinnerungsstücke an das großdeutsche Reich und an die Wehrmacht. Man fand auch Krüge, Steinzeugschüsseln und zerschlagene „Kappes- döppe". Im Ganzen eine klägliche Ausbeute.

Am Heiligen Abend des Jahres 1974 wurde tief im Schlamm der Erft ein wertvoller Fund gemacht. Es war ein gut erhaltener Krug.

Den Findern wurde das darauffolgende Weihnachtsfest zu lang, denn plötzlich waren sie vom Pöttchen-Fieber erfaßt. Jetzt wußte man, wie und wo man suchen mußte und sehr schnell wurde diese Mühe auch belohnt.

In den zahlreichen Auswaschungen und Windungen des alten Flußbettes fand man irdene Ware aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Neben Fragmenten waren es noch gut erhaltene Kölner Krüge. Man fand Glasiertes und Unglasiertes aus dem Siegburger Raum (Trichterhalskrüge und Jakobakannen), aus Frechen (Bartmannskrüge), aus Langerwehe (Pilgerhörner und Feldflaschen, Zylinderhalskrüge und Becher in bunter Vielfalt).

So manches kleine Weißtongefäß und manche Scherbe des roten römischen „Terra- sigillata-Geschirrs" erweckte beim Finder Ehrfurcht. Diese Steinzeuge waren aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, und wir müssen uns fragen, wie diese Stücke in die Erft gekommen sind.

Die Hobbyarchäologen dachten sich nun, daß man bei der Vielfalt der Irdenware aus dem 13. bis 15. Jahrhundert auch einen der alten Brennöfen finden müßte. Daraufhin wurde jeder Buckel des Abbaugeländes untersucht, jedoch ohne Erfolg. Man fand eine Ansammlung grün glasierter, unförmiger Tonbrocken, die zwar auf eine Feldbrenn- stelle schließen ließen, die aber offensichtlich zerstört war.

Später wurde manche Fundstelle durch die Schaufelräder der Abraumbagger angeschnitten. Aus der Zeit der Rössener Kultur (4000 bis 3500 v. Chr.) fand man dünnwandige Scherben aus hartgebranntem Ton mit schwarzer Oberfläche. Es waren meist Bruchstücke von Kugeltöpfen, die im Reduktiosbrand hergestellt waren. Man versteht darunter einen Brennvorgang, bei dem die Sauerstoffzufuhr des Brennofens bewußt gedrosselt wird. Dadurch kann eine so intensive Reduktion stattfinden, daß das Eisen aus seinen Verbindungen frei wird und eine Schwarzfärbung des Steinzeugs bewirkt.

mit freundlicher Genehmigung des Erftkreises aus "Morken-Harff  Dokumentation eines  Umsiedlungsortes im Erftkreis " .